Strompreisverläufe können an bestimmten Tagen am Abend höhere Werte zeigen als in anderen Tagesabschnitten. Dieses Muster lässt sich unter anderem mit Veränderungen bei Angebot und Nachfrage erklären. Allerdings reicht die Uhrzeit allein nicht aus, um die Entwicklung eines Strompreises zu verstehen. Verschiedene Erzeugungsquellen, Verbrauchsmengen, verfügbare Kapazitäten und weitere Marktbedingungen können gleichzeitig wirken.
Für Unternehmen ist deshalb wichtig, zwischen einer historischen Beobachtung und einer allgemeinen Regel zu unterscheiden. Ein auffälliger Abendpreis kann ein interessanter Hinweis sein, sollte aber immer im Zusammenhang mit dem betrachteten Zeitraum und dem eigenen Verbrauchsprofil bewertet werden.
Warum können Strompreise am Abend steigen?
Über den Tag verändern sich sowohl Stromangebot als auch Stromnachfrage. Besonders relevant ist dabei die Entwicklung der Solarstromproduktion.
Wenn die Solarproduktion zurückgeht
Während der hellen Tagesstunden können Photovoltaikanlagen große Mengen Strom erzeugen. Gegen Abend nimmt diese Erzeugung naturgemäß ab. Gleichzeitig kann weiterhin Strombedarf bestehen oder zu bestimmten Zeiten wieder zunehmen.
Dadurch verändert sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Welche Preise daraus entstehen, hängt jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren ab.
Mehrere Faktoren beeinflussen den Markt
Neben der Solarproduktion spielen beispielsweise Windenergie, konventionelle Kraftwerke, verfügbare Erzeugungskapazitäten, Verbrauchsentwicklung und weitere Marktbedingungen eine Rolle.
Deshalb lässt sich aus einem höheren Abendpreis nicht ableiten, dass jeder Abend automatisch eine bestimmte Preisentwicklung aufweist. Das beobachtete Muster kann sich je nach Marktsituation deutlich verändern.
Ein wiederkehrendes Muster ist keine feste Regel
Historische Strompreiskurven können bestimmte wiederkehrende Strukturen zeigen. Dennoch sollte eine solche Beobachtung nicht mit einer Garantie für zukünftige Preise verwechselt werden.
Den betrachteten Zeitraum immer angeben
Ein Strompreiswert sollte möglichst zusammen mit seinem Zeitraum betrachtet werden. Ein bestimmter Tag kann beispielsweise durch außergewöhnliche Wetterbedingungen, eine besondere Nachfragesituation oder andere Marktbedingungen geprägt sein.
Ein Preisverlauf aus einer einzelnen Woche kann deshalb nicht ohne Weiteres als allgemeingültiges Muster für das gesamte Jahr verstanden werden.
Durchschnittswerte können Unterschiede verdecken
Auch Durchschnittswerte sind mit Vorsicht zu interpretieren. Ein Tages- oder Monatsdurchschnitt kann beispielsweise Unterschiede zwischen Wochentagen, Jahreszeiten oder besonderen Marktphasen verdecken.
Für Unternehmen ist daher häufig die zeitliche Auflösung interessant, die zum eigenen Verbrauch passt. Nur so lässt sich erkennen, wann relevante Strommengen tatsächlich benötigt werden.
Das eigene Verbrauchsprofil entscheidet über die Bedeutung
Ein bestimmter Abendpreis hat nicht für jedes Unternehmen dieselbe Bedeutung. Entscheidend ist, ob und in welchem Umfang der Betrieb während des jeweiligen Zeitfensters Strom aus dem Netz benötigt.
Restaurants haben andere Anforderungen als Büros
Ein Restaurant kann am Abend einen erheblichen Teil seines Stromverbrauchs für Küche, Kühlung, Beleuchtung und Lüftung benötigen. Ein Bürogebäude kann dagegen nach Ende der Arbeitszeit einen deutlich geringeren Verbrauch aufweisen.
Ein Hotel wiederum kann auch am Abend einen kontinuierlichen Bedarf durch Beleuchtung, Gebäudetechnik, Küche und andere Einrichtungen haben.
Das gleiche Marktintervall kann deshalb für verschiedene Unternehmen unterschiedlich relevant sein.
Der Tagesmittelwert reicht nicht immer aus
Ein allgemeiner Tagesmittelwert beschreibt nur den durchschnittlichen Preis. Er zeigt nicht automatisch, wie sich die Kosten eines Betriebs entwickeln, wenn dessen Verbrauch auf bestimmte Stunden konzentriert ist.
Für eine genauere Betrachtung sollten Unternehmen daher ihr tatsächliches Last- beziehungsweise Verbrauchsprofil mit den relevanten Marktzeiten vergleichen.
Historische Strompreise richtig einordnen
Historische Daten können dabei helfen, typische Marktverläufe sichtbar zu machen. Sie sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden.
OPTUM als Einstieg in die Marktbeobachtung
OPTUMs Strommarktartikelkann Unternehmen dabei unterstützen, historische Strompreisverläufe besser zu verstehen und auffällige Entwicklungen einzuordnen.
Ein solcher Überblick kann als Ausgangspunkt dienen, um konkrete Fragen zur eigenen Beschaffung zu entwickeln. Beispielsweise kann geprüft werden, ob die eigenen Verbrauchszeiten mit bestimmten Marktphasen regelmäßig zusammenfallen.
Aus einer Kurve konkrete Fragen ableiten
Statt einen auffälligen Abendwert unmittelbar als Handlungsempfehlung zu betrachten, können Unternehmen fragen:
- Wann entsteht unser höchster Stromverbrauch?
- Wie regelmäßig tritt dieser Verbrauch auf?
- Welche Preisperioden sind für unsere Beschaffung relevant?
- Welche Bestandteile unseres Tarifs reagieren auf Marktbewegungen?
- Welche Verbrauchszeiten können überhaupt verändert werden?
Damit wird aus einer allgemeinen Marktbeobachtung eine konkrete Grundlage für die eigene Analyse.
Nicht jede Abendlast ist verschiebbar
Unternehmen können ihren Stromverbrauch nicht immer flexibel an den Markt anpassen. Viele betriebliche Abläufe sind an bestimmte Zeiten gebunden.
Gastronomie und Servicezeiten
Restaurants müssen Speisen dann zubereiten, wenn Gäste sie bestellen. Küche, Kühlung, Beleuchtung und Lüftung können daher nicht beliebig in andere Tageszeiten verlagert werden.
Eine theoretisch günstige Stunde ist wirtschaftlich nur dann relevant, wenn die erforderlichen Prozesse tatsächlich zu dieser Zeit stattfinden können.
Produktion und Gewerbebetriebe
Auch Produktionsunternehmen können feste Betriebszeiten haben. Maschinen, Fertigungsanlagen und notwendige Gebäudefunktionen lassen sich nicht ohne Weiteres nach kurzfristigen Preisbewegungen ausrichten.
Deshalb sollte jede Betrachtung der Flexibilität technisch und organisatorisch realistisch bleiben.
Einen Beispieltag richtig verwenden
Ein ausgewählter Beispieltag kann helfen, die Zusammenhänge zwischen Strompreis, Verbrauch und Betriebsablauf anschaulich zu erklären.
Beispiel als Beispiel kennzeichnen
Ein einzelner Tag sollte ausdrücklich als Beispiel betrachtet werden. Besonders auffällige Preisverläufe können interessante Erkenntnisse liefern, müssen aber nicht repräsentativ für alle Tage sein.
Eine sachliche Analyse sollte deshalb immer erklären, unter welchen Bedingungen die jeweilige Beobachtung entstanden ist.
Übertragbarkeit prüfen
Wenn ein Beispieltag außergewöhnlich hohe oder niedrige Preise aufweist, sollte geprüft werden, ob ähnliche Bedingungen im normalen Betriebsablauf regelmäßig auftreten.
Ein eindrucksvoller Ausschnitt kann sonst zu einer falschen Schlussfolgerung führen. Entscheidend ist nicht nur, was an einem bestimmten Tag passiert ist, sondern ob die zugrunde liegenden Bedingungen für das eigene Unternehmen relevant und wiederkehrend sind.
Was Unternehmen aus Abendspitzen ableiten können
Das Verständnis von Abendpreisen kann vor allem dabei helfen, die eigene Beschaffung genauer zu betrachten.
Absicherung und Flexibilität unterscheiden
Unternehmen können sich fragen, wie viel Planbarkeit sie benötigen und wie viel Preisbewegung sie innerhalb ihres Beschaffungsmodells akzeptieren können.
Dabei geht es nicht darum, aus jedem höheren Abendwert automatisch eine bestimmte Reaktion abzuleiten. Vielmehr sollte geprüft werden, welche Beschaffungsstrategie zum individuellen Betriebsprofil passt.
Betriebsbedingungen berücksichtigen
Öffnungszeiten, Produktionszeiten, Auslastung und technische Möglichkeiten beeinflussen die Bedeutung eines bestimmten Marktzeitraums.
Eine Beschaffungsentscheidung sollte deshalb nicht ausschließlich anhand eines Strompreis-Charts getroffen werden. Die tatsächlichen Betriebsbedingungen müssen ebenso berücksichtigt werden.
Von der Beobachtung zur sachlichen Beschaffungsentscheidung
Ein Abendmuster kann ein nützlicher Ausgangspunkt für weitere Fragen sein. Es wird jedoch weder automatisch zu einer Sparchance noch zu einer pauschalen Warnung.
Marktinformation mit Verbrauchsdaten verbinden
Eine sinnvolle Analyse verbindet historische Marktpreise mit den tatsächlichen Verbrauchsdaten des Unternehmens. Dadurch lässt sich besser erkennen, welche Preisperioden für den eigenen Strombezug überhaupt relevant sind.
Voraussetzungen einer Entscheidung dokumentieren
Wenn ein Unternehmen auf Grundlage bestimmter Verbrauchsdaten oder Betriebszeiten eine Beschaffungsentscheidung trifft, sollten diese Voraussetzungen dokumentiert werden.
Ändern sich beispielsweise Öffnungszeiten, Produktionsabläufe oder der Energiebedarf, kann später überprüft werden, ob die ursprüngliche Bewertung weiterhin passt.
Fazit
Abendspitzen am Strommarkt lassen sich durch Veränderungen von Angebot und Nachfrage erklären. Der Rückgang der Solarproduktion am Abend kann dabei eine Rolle spielen, ist aber nur ein Faktor unter mehreren. Deshalb verläuft nicht jeder Abend gleich und aus einem einzelnen historischen Preiswert lässt sich keine feste Regel für die Zukunft ableiten.
Für Unternehmen ist vor allem das eigene Verbrauchsprofil entscheidend. Restaurants, Hotels, Büros und Produktionsbetriebe haben unterschiedliche Betriebszeiten und benötigen Strom zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
OPTUMs Informationen zur Strombörse können dabei helfen, historische Preisverläufe verständlicher einzuordnen. Der eigentliche Nutzen entsteht jedoch erst, wenn solche Marktinformationen mit den eigenen Verbrauchsdaten, Vertragsbedingungen und betrieblichen Möglichkeiten verbunden werden.
Ein Abendmuster sollte deshalb als prüfbare Information verstanden werden. Wer Marktbeobachtung und betriebliche Realität gemeinsam betrachtet, kann fundierter über Absicherung, Flexibilität und ein geeignetes Beschaffungsmodell sprechen.
Häufig gestellte Fragen
1. Warum können Strompreise am Abend höher sein?
Am Abend verändert sich die Angebots- und Nachfragesituation. Unter anderem geht die Solarstromproduktion zurück, während weiterhin Stromnachfrage bestehen kann. Weitere Marktbedingungen beeinflussen ebenfalls den Preis.
2. Sind Abendspitzen jeden Tag gleich?
Nein. Strompreise werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Wetter, Nachfrage, Erzeugung und verfügbare Kapazitäten können sich von Tag zu Tag unterscheiden.
3. Warum ist das eigene Verbrauchsprofil wichtig?
Ein Marktpreis ist für ein Unternehmen vor allem dann relevant, wenn zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Strom benötigt wird. Ein Restaurant mit hohem Abendverbrauch ist beispielsweise anders betroffen als ein Büro mit geringem Verbrauch nach Feierabend.
4. Kann ein Unternehmen seinen Stromverbrauch einfach in günstigere Stunden verschieben?
Das hängt vom jeweiligen Betrieb ab. Einige Prozesse können flexibel sein, während Produktion, Gastronomie, Kühlung oder notwendige Gebäudefunktionen häufig an bestimmte Zeiten gebunden sind.
5. Wie können historische Strompreise genutzt werden?
Historische Preise können helfen, wiederkehrende Muster und unterschiedliche Marktphasen zu erkennen. Sie sollten jedoch immer zusammen mit dem betrachteten Zeitraum und den eigenen Verbrauchsdaten analysiert werden.
6. Was ist bei einem Beispieltag zu beachten?
Ein einzelner Tag sollte nicht automatisch als repräsentativ für alle anderen Tage gelten. Unternehmen sollten prüfen, ob die Bedingungen dieses Tages für den eigenen normalen Betrieb relevant und wiederkehrend sind.
